Tamen tia merkatekonomio produktas plendendajn rezultojn en multaj domajnoj, precipe en la informa.
Informationen lassen sich nicht wie Broetchen verkaufen. Mein Broetchen kann ich nur einmal essen, Information besteht auch nachdem ich sie verwertet habe. Informationsvermarktung ist ein Widerspruch in sich selbst. Adam Smiths Vertrauen in eine guetig lenkende unsichtbare Hand war, was die Faehigkeit des Marktes, angemessene Mengen von Broetchen zu einem angemessenen Preis zu liefern, betrifft, berechtigt. Wer, sich allerdings vom Marktmechanismus nicht Broetchen sondern innovative Informationsprodukte verspricht, wie dies Politiker aller Parteien in Bonn und Bruessel heute durchweg tun, haengt offenbar noch einem Credo an, vor dessen Ueberstrapazierung schon der liberale Wirtschaftstheoretiker Alexander Ruestow (1885-1963) in seinem Buch Das Versagen des Wirtschaftsliberalismus als religionsgeschichtliches Problem eindrucksvoll warnte.
Ruestow argumentiert, dass die Marktwirtschaft staendig Kraefte erzeugt, die ihre eigenen Voraussetzungen zerstoeren und daher eines starken Staates beduerfe, um ueberhaupt existieren zu koennen. Ein bekanntes und viel beobachtetes Paradox der Marktwirtschaft ist ihre Tendenz Monopole zu erzeugen und damit sich selbst abzuschaffen, ebenso wie ihre Tendenz, die politische Gewalt zu usurpieren und damit den Garanten ihrer eigenen Ordnung, den Staat, aufzureiben. Das Versagen des Wirtschaftsliberalismus besteht darin, dass er einen in religioeser Tradition begruendeten Glauben an angebliche Selbstregulierkraefte des Marktes predigt und dadurch die politischen Regulierkraefte, die es zu mobilisieren gilt, ausser Gefecht setzt.
Ruestow kannte allerdings noch nicht den schaerfsten inneren Widerspruch der Marktwirtschaft, den Widerspruch der die massivste politische Gegensteuerung noetig macht: das Paradox der Informationsware, die Unvereinbarkeit der Anforderungen an ein Informationswerk mit den Anforderungen an eine Handelsware.
Mozart starb als armer Mann. Der Informationsmarkt belohnt nicht den kreativen Kulturschaffenden, auch nicht den fleissigen Sammler der Informationen, die wir seit Jahren dringend brauchen, sondern den Marktstrategen, der es versteht, Systeme unters Volk zu bringen, die niemand so recht braucht, zu denen aber alle kompatibel bleiben muessen, wobei nur der Stratege den Geheimschluessel zur Kompatibilitaet in der Hand haelt. Wie man dies erreicht, ist eine Wissenschaft fuer sich. Es ist eine junge Wissenschaft, die mit dem Wachstum der Info-Marktwirtschaft zu unerhoertem Prestige aufgestiegen und immer mehr zum Schluesselwissen unserer Gesellschaft avanciert ist: Marketing.
Qualitaet und Vermarktung stehen zueinander im Widerspruch. Wer ein Informationswerk vermarktet, muss es verstuemmeln. Nicht nur das, er muss auch den Markt selbst verstuemmeln, er muss dafuer sorgen, dass ein die gesamte Gesellschaft umfassendes Abhaengigkeitsgeflecht entsteht, das die entscheidenden Stellen, an denen noch kassiert werden kann --- alle anderen benutzen ohnehin Raubkopien --- zum Kauf zwingt.
Microsoft verdankt seine uebermaessige Groesse nicht so sehr dem angeblich Mozart-aehnlichen Genie seines Gruenders (s. Buchumschlag von The Road Ahead und von angesehenen Presseorganen, von Bild ueber Fokus und den Spiegel bis hin zur Pekinger Volkszeitung einhellig verwendet wird) sondern vielmehr dem Wettbewerbsrecht des real existierenden Liberalismus. Dieses Recht erzwingt im DV-Bereich geradezu den Aufstieg eines marketing-basierten Monopolgebildes, mag es nun Microsoft oder anders heissen.
Bill Gates ist beim besten Willen nicht mit Mozart sondern allenfalls (wenn man denn unbedingt Personenkult treiben will) mit Friedrich dem Grossen vergleichbar. Treffender waere eigentlich der Vergleich mit dem Fuehrer einer Kolonialmacht, die sich fremde Laender unterwirft, aus diesen Laendern jaehrlich Milliarden Dollar abzieht und die Bewohner dieser Laender von der Politik und allen damit zusammenhaengenden Schluesselkompetenzen fernhaelt.
Das Leben eines Mozart ist weit bescheidener. Er koennte bestenfalls hoffen, seine Faehigkeiten in die Dienste eines weitsichtigen Fuersten zu stellen. Doch das gelingt ihm nicht immer, er endet oft im Massengrab. Man mag einwenden, dass es den Autoren heute besser gehe als Mozart. Ist unsere Marktwirtschaft also doch besser geworden, hat die unsichtbare Hand Wunder gewirkt? Nein ganz im Gegenteil. Nicht der Markt sondern die Staaten haben Hand angelegt, und zwar ganz bewusst und dezidiert sichtbar. Sie haben ein kuenstliches Schutzsystem fuer sogenannte intellektuelle Eigentumsrechte geschaffen. Sie haben innerhalb des Info-Kapitalismus ein kuenstliches zrtes Pflaenzchen der Info-Marktwirtschaft geschaffen.
Natuerlich droht gerade das Patentwesen staendig, seinen eigentlichen Sinn zu verlieren und zu einem Vehikel fuer Monopolbildung zu verkommen. Das europaeische Patentamt selbst haelt aus Geldgier diejenigen Informationen zurueck, um deretwillen es existiert. Es werden Patente auf Schnittstellen (!) erteilt, wobei oft noch nicht einmal die komplette technische Information offengelegt wird. Durch Kreuzlizenzierung (Tauschhandel mit meist laecherlich wenig erfinderischen Patenten, sogenannten Wegelagererpatenten) bilden Grossunternehmen undurchdringliche Oligopole. Auch das Patentwesen bedarf einer gruendlichen Reform, wenn es nicht weiter zweckentfremdet werden soll.
Hierzu gehoert die Verdingungsordnung fuer Leistungen (VOL), die bei oeffentlichen Ausschreibungen von Behoerden zur Anwendung kommt. Bisher sind diese Regeln so gestaltet, dass nur bestimmte grosse Firmen (in Muenchen meist ein ganz bestimmter bayerischer Weltkonzern) den noetigen Verwaltungsaufwand betreiben koennen, um als Auftragnehmer in Frage zu kommen. Bei der Auswahl der Angeboten kommt es dann nur auf den grossen Markennamen (der den auswaehlenden Buerokraten von jeder Verantwortung entbindet) und das billige Anfangsangebot an, nicht jedoch auf die langfristigen Gesamtkosten. Keines der Angebote kann wirklich billig sein (wie etwa Linux, das nichts kostet), da der urspruenglich fuer die Ausschreibung betriebene Verwaltungsaufwand bezahlt werden muss.
Beim Kernkraftwerkbau gibt es durchaus Regelungen, die vom Hersteller die Offenlegung aller Systemkomponenten verlangen. Aehnliches gilt fuer die Mobilfunkbranche. In den meisten anderen Bereichen, wie auch bei der Ausruestung von Unternehmen mit Software nach VOL, spielt Offenheit hingegen keine Rolle.
Dies geht mit schleichendem Kompetenzverlust und Entmuendigung einher. Wo z.B. aeltere Generationen von Kraftwerksicherheitsspruefern vor Jahren noch Pruefwerkzeuge nach Baukastenprinzip zusammensetzen und ihren Aufgaben anpassen konnten, sind die juengeren von bestimmten Markenprodukten abhaengig, die nur noch genormte Aufgaben erledigen koennen.
Ich habe selbst versucht, mich mit einem eigenen Projekt bei einer EU-Ausschreibung Multilinguale Informationsgesellschaft zu bewerben. Auf mein ausfuehrliches Bewerbungsschreiben bekam ich aber keinerlei Antwort. Es genuegte vermutlich nicht den sehr formalen (die Erzeugung von 100en von Seiten Projektkostenberechnungsstudien erfordernden) Bewerbungskriterien.
Schon jetzt geraten die Verlage unter Druck:
Immer weitere Bereiche des oeffentlichen Lebens haben mit Marktwirtschaft nichts mehr zu tun, entziehen sich dem Zugriff der einzigen Denkweisen, die Politiker und Wirtschaftsleute gelernt haben. In Zeiten des System-Niedergangs tauchen Wunderwaffen auf, die dann von phrasensuechtigen Politikern mit einigem Zeitverzug begierig gedroschen werden, so z.B. Multimedia.
Was ist so faszinierend an Multimedia? Vor allem eines: CDROMs sind (noch) relativ schwer kopierbar. Multimedia-Produktion ist eine Methode, Informationswerke mit allerlei schwer verwertbaren audiovisuellen Beigaben so aufzubereiten, dass eine gewisse Undurchdringlichkeit und Unbrauchbarkeit, und folglich Vermarktbarkeit, erreicht werden kann.
Diese traurige Situation kann sich mit dem Fortschreiten der digitalen Vernetzung nur noch verschaerfen. Information kann nur durch kuenstliche Verknuepfung mit harter Ware zu Geld gemacht werden. Um Weltliteratur ins Netz stellen zu koennen, muss selbst das Projekt Gutenberg auf seiner Titelseite fuer Microsofts Monopolstrategien werben. Wer fuer die Informationsgesellschaft arbeiten will, muss seine Seele verkaufen, seine Webseiten mit versteckter Werbung spicken. Als Seelenkaeufer auftreten koennen wiederum nur die Besitzenden der alten Industriegesellschaft oder Quasi-Industrialisten wie Microsoft, denen es gelungen ist, Information zur undurchdringlichen harten Industrieware umzuformen und damit ein gesellschaftsumspannendes Zwangsnetzwerk aufzubauen. Keiner von beiden leistet nennenswerte Beitraege zum Aufbau der Informationsgesellschaft. Ein Verteilungssystem, dass diese beiden Typen von Unternehmen zu den beherrschenden Knotenpunkten des Geldflusses macht, ist ein System der Zwangsprostitution. Die Moral der infokapitalistischen Gesellschaft kann demnach nicht viel hoeher sein als die Moral von Prostituierten. Wen kann es dann noch wundern, wenn die UNO vor seuchenartiger Verbreitung der Korruption warnt? Korruption ist im Infokapitalismus systemimmanent, sie ist ein Grundimperativ infokapitalistischen Wirtschaftens.
Die praktische Erfahrung ist das einzig gueltige Kriterium zur Ueberpruefung von theoretischen Wahrheiten ... Egal ob schwarz oder weiss: was Maeuse faengt ist eine gute Katze.
Die unsichtbare Hand faengt erwiesenermassen keine Maeuse. Es kommt jetzt darauf an, das Erfolgsmodell weiterzuentwickeln. Wir brauchen nun ein oeffentlich-rechtliches Internet-Angebot.
Die Mitarbeiter von Free Software Foundation, Linux International, Software in the Public Interest usw tun aus eigener Kraft das, was Sache staatlicher Wirtschaftspolitik waere: die Schaffung eines Marktes, der diejenigen belohnt, die hochwertige Information ins Internet stellen.
Eine oeffentlich-rechtliche Stiftung fuer die oeffentliche Informations-Infrastruktur haette aehnliche marktschaffende Wirkungen wie das Patentrecht:
In letzter Zeit wird M$ wegen seiner Monopolpraktiken verstaerkt vom amerikanischen Justizministerium (Justice Department) angegriffen, nachdem der Rechtsanwalt Gary Reback den Richtern wortgewaltig neuere wirtschaftswissenschaftliche Theorien die meinen obigen Ideen aehneln (Stichwort: Path Dependence) nahegebracht hat. Leider konnte ich von diesen Theorien im WWW nicht viel finden, auch mein Verweis Reback zeigt nicht auf Rebacks Werke sondern auf einen Bericht aus zweiter Hand.
Stattdessen kann man aus der Gegenargumentation des Wirtschaftswissenschaftlers Stan Liebowitz, der sich ebenso wortgewaltig fuer Microsoft und die uneingeschraenkt segensreiche Wirkung der unsichtbaren Hand stark macht, einige der wirtschaftstheoretischen Grundlagen der Anti-Microsoft-Bewegung erkennen. Liebowitz will nachweisen, dass der Marktmechanismus bisher jeder Fehlsteuerung erfolgreich entgegengewirkt habe und dass die beruehmtesten Gegenbeispiele, so z.B. der Sieg der schlechteren QWERTY-Tastatur oder des schlechteren Beta-VHS-Formats, naeherer Pruefung nicht standhalten koennten. Mit der Problematik der Offenheit und Freiheit von Netzwerkschnittstellen, wie sie sich heute stellt, ist Liebowitz --- und vielleicht auch Reback --- jedoch nicht vertraut. Theoretiker der freien Software wie Richard M. Stallman wiederum verstehen vielleicht nicht genug von Wirtschaftswissenschaften, um von Liebowitz und Kollegen ernstgenommen zu werden.
So schlecht unsere Generation auch gedanklich geruestet sein moege: wir sind heute gefordert. Eine vielleicht letzte Chance tut sich uns auf. Mit dem Anbruch des Internet-Zeitalters sind Betriebssysteme keine Schluesseltechnologie mehr. Ein Machtwechsel an der Spitze des Kartells scheint greifbar nahe.Die in Qualitaet und Preis fuehrende Office-Suite kommt nunmehr aus Hamburg, die universellsten Betriebssysteme sind Linux und die Virtuelle Java-Maschine.Ein weiterer Machtwechsel an der Kartellspitze wuerde die Kartellwirtschaft als ganze schwaechen.Mit einiger Kraftanstrengung koennte man dann den Info-Kapitalismus zivilisieren.Keine unsichtbare Hand wird das fuer uns tun.
[al paghkapo]
[antauen]